Das barocke Tavira ist die Stadt des Architekten Diogo Tavares e Ataíde: die ausgemalte Kapelle São Sebastião, die achteckige Hospitalkirche, die Kirche Santiago und die noble Fassade des Palácio da Galeria — und jenseits des Flusses São Brás und das vergoldete Innere der Karmeliterkirche. Nach Themen aus dem offiziellen historischen Führer der Stadt Tavira.
Kapitel 1
Ein Rausch aus Farbe und Gold
Im späten Mittelalter als Pestheiligtum des heiligen Sebastian gegründet, lag diese kleine Kapelle Anfang des 18. Jahrhunderts in Trümmern. 1745 beauftragte die Stadt den Baumeister Diogo Tavares e Ataíde und Manuel Aleixo mit dem Wiederaufbau — geschwungener Giebel, Triumphbogen und überkuppelter Chor.
1759 fügte der Maler Diogo de Mangino zehn Leinwände hinzu, die das Leben des Heiligen erzählen, inmitten von illusionistischem Marmor und vergoldeten Engeln — sie gelten als der vollständigste gemalte Lebenszyklus des Heiligen in der portugiesischen Kunst. Nach 2000 restauriert, lebt die Kapelle heute als Kulturort weiter.
- 340 m
Kapitel 2
Das Wunder und das Oktogon
Seit 1425 stand hier ein Armenhospiz, das zu Taviras wichtigstem Hospital heranwuchs. 1721 soll seine hölzerne Statue des heiligen Josef Blut geschwitzt haben; das Wunder brachte königliche Gunst, und 1747 erhob König João V. die Kirche zur Königlichen Kapelle.
Das Erdbeben von 1755 zerstörte die alte Kapelle. Diogo Tavares e Ataíde baute sie auf einem kühnen achteckigen Grundriss wieder auf, inspiriert von der Kirche Menino Deus in Lissabon, vollendet 1768 — außen eine Rokoko-Fassade, innen ein achteckiges Gewölbe und ein illusionistisch gemalter Hauptaltar von 1805.
- 200 m
Kapitel 3
Der heilige Jakobus zu Pferd
Santiago entstand aus der Reconquista: erbaut vom Jakobsorden, kurz nachdem christliche Truppen Tavira 1242 eingenommen hatten, an einem Ort, an dem vermutlich eine Moschee stand. Sein schlichtes gotisches Kirchenschiff diente der Stadt fünf Jahrhunderte lang.
Das Erdbeben von 1755 verwüstete die Kirche. Der Wiederaufbau gab ihr ihr schlichtes barock-klassizistisches Gesicht, neu geweiht 1777. Andere Pfarreien stifteten gerettete Kunstwerke, die vergoldeten Altäre wurden restauriert, und ein Medaillon des heiligen Jakobus zu Pferd erinnert an die Legende, der Heilige selbst sei bei der Belagerung Taviras erschienen.
- 150 m
Kapitel 4
Die große Fassade des Baumeisters
Taviras schönstes Profanbauwerk steht auf dem ältesten heiligen Boden der Stadt: Unter dem Atrium fanden Archäologen phönizische Ritualbrunnen, die im 7. Jahrhundert v. Chr. für den Sturmgott Baal gegraben wurden. Im Mittelalter erhob sich hier ein Adelshaus, das seinen Namen von einer Renaissance-Bogengalerie aus dem 16. Jahrhundert erhielt.
Um 1745 ließ der Richter João Leal da Gama e Ataíde den Palast durch Diogo Tavares e Ataíde barock umgestalten — die austerngraue Fassade und die kunstvollen Steinmetzarbeiten —, wobei die Renaissance-Galerie erhalten blieb. Seit 2001 beherbergt er Taviras Stadtmuseum.
- 460 m
Kapitel 5
Der Heiler vor den Mauern
Diese kleine Einsiedlerkapelle entstand im 15. Jahrhundert, knapp außerhalb der alten Stadtmauern, geweiht dem heiligen Blasius — dem Heiler, den man gegen Halsleiden und Pest anrief. Ihre Laienbruderschaft beging jedes Jahr am 3. Februar das Fest mit der Halssegnung.
Nach dem Erdbeben von 1755 leitete Diogo Tavares e Ataíde den Wiederaufbau: ein breiteres Kirchenschiff, ein geschwungener Barockgiebel und ein anmutiges Rokoko-Steinportal. Das Viertel Alto de São Brás trägt bis heute den Namen der Kapelle, und das angebaute Eremitenhaus erinnert an jene, die hier einst Wache hielten.
- 130 m
Kapitel 6
Ein Abschied in Gold
Die Carmo-Kirche war ein Projekt von Taviras eigenen Bürgern: des laikalen Dritten Ordens vom Karmel, der sich das Land bei São Brás durch Urkunden von 1737 sicherte und 1744 mit dem Bau begann. Der Hauptbau war in den 1750er-Jahren vollendet — Bischof Inácio de Santa Teresa wurde hier 1751 bestattet —, doch die Fassade mit ihrem einzelnen espadaña-Glockengiebel wurde erst 1792 fertiggestellt.
Im Inneren erstrahlt eine Kirche auf lateinischem Kreuzgrundriss mit vergoldeten Altaraufsätzen, farbig gefassten Schnitzereien und illusionistischen Deckengemälden — später portugiesischer Barock, geformt von örtlichen Händen und mit örtlichen Mitteln.