Erzählspaziergang70 Min.700 m6 Stationen

Unter den Straßen liegen 2.500 Jahre Stadt. Vom islamischen Museumskern an der Praça da República entlang phönizischer und maurischer Stadtmauern über den Burgberg — bis zum almohadischen Viertel unter der Pousada. Nach Themen aus dem offiziellen historischen Führer der Stadt Tavira.

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    Praça da República

    10 Min.

    Kapitel 1

    Die Stadt unter dem Platz

    Taviras Hauptplatz wirkt durch und durch modern, doch er liegt auf der Nahtstelle zwischen der maurischen Mauerstadt und dem Fluss. Ganz in der Nähe stand ein Tor mit Hufeisenbogen, und der achteckige Turm Torre do Mar bewachte den Übergang bis zu seinem Abriss im Jahr 1883. Nach der Rückeroberung im 13. Jahrhundert wurde der Platz zur Praça da Ribeira — dem Markt am Fluss, auf dem Fisch, Obst und jahrhundertelang auch versklavte Menschen gehandelt wurden.

    Mit jeder Wende der portugiesischen Politik umbenannt, wurde er 1910 zur Praça da República. Noch heute dokumentieren Archäologen bei jeder Renovierung neue Funde — die erste Schicht einer Stadt, die auf Schichten gebaut ist.

  2. 90 m
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    Capela de Nossa Senhora da Piedade

    5 Min.

    Kapitel 2

    Eine Kapelle an der Mauer

    Diese kleine Barockkapelle wurde 1758 erbaut, drei Jahre nach dem großen Erdbeben von Lissabon, von einer Laienbruderschaft ortsansässiger Familien an die alte Burgmauer gesetzt. Über der Tür rahmen ein geschwungener Giebel und ein ovales Okulus ein skulptiertes flammendes Herz, von einem Dolch durchbohrt — das Emblem Unserer Lieben Frau der Piedade. Im Inneren leuchtet ein vergoldeter Rokoko-Altaraufsatz im schlichten Kirchenschiff.

    Die Kapelle birgt auch eine stille archäologische Lektion: Bei einer Renovierung in den 1980er Jahren wurde ein Grabstein, der vor dem Altar lag, entfernt und ging verloren. Geschichte verschwindet nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen.

  3. 110 m
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    Ruínas Fenícias

    10 Min.

    Kapitel 3

    Die Grabung, die Tavira neu schrieb

    Zwischen 1998 und 2004 schrieben systematische Ausgrabungen auf dem Hügel von Santa Maria Taviras Frühgeschichte neu. Unter der mittelalterlichen Stadt legten Archäologen eine phönizische Siedlung aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. frei: Stadtmauern von bis zu 9,5 Metern Stärke, Häuser aus Stein und Lehmziegeln, Metallwerkstätten und Keramik, die lokale und importierte Stile verband.

    Die Funde sind auffallend konkret — ein seltenes Graffito in phönizischer Schrift, ein heiliger Betyl-Stein, sogar eine Straußeneischale aus Nordafrika. Sedimentstudien erklären das Ende: Im 5. Jahrhundert v. Chr. verlandete der Hafen, und die Stadt verstummte.

  4. 70 m
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    Palácio da Galeria

    10 Min.

    Kapitel 4

    Brunnen des Baal, Böden aus Glas

    Der Palácio da Galeria ist Taviras Stadtmuseum — und zugleich sein eigenes bestes Ausstellungsstück. Ausgrabungen unter dem Atrium brachten rituelle Brunnen zutage, die phönizische Siedler im 7. Jahrhundert v. Chr. gruben, vermutlich zu Ehren Baals, des Sturmgottes der Seefahrer. Glasplatten im Boden erlauben heute den Blick direkt in die Tiefe.

    Das Gebäude darüber ist ein Palimpsest: gotische Türgewände eines mittelalterlichen Adelshauses, eine Renaissance-Galerie aus Bögen des 16. Jahrhunderts, die dem Palast seinen Namen gab, und ein barocker Umbau um 1745 durch Diogo Tavares de Ataíde. Nach Leben als Gericht, Schule und Gesellschaftsclub wurde er 2001 als Museum wiedereröffnet.

  5. 80 m
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    Castelo de Tavira (Burg von Tavira)

    15 Min.

    Kapitel 5

    Ruinen lesen

    Die Burg verrät Archäologen ebenso viel durch Abwesenheit wie durch Präsenz: Eine vorislamische Festung wurde hier nie gefunden, und die Befunde zeigen, dass nennenswerte Bautätigkeit erst im 11. Jahrhundert einsetzte, unter maurischer Herrschaft. Die Almohaden errichteten Mauern aus Stampflehm — taipa — und den achteckigen albarrã-Turm, der noch heute steht.

    Die Ruine hat ihr eigenes Nachleben. Nach dem Erdbeben von 1755 wurden herabgestürzte Steine in Bauten der Stadt verschleppt, und im 19. Jahrhundert diente das Gelände als Friedhof. Moderne Konservatoren entschieden sich für Stabilisierung statt Rekonstruktion — damit die Schäden selbst lesbar bleiben.

  6. 150 m
    6
    Pousada Convento Tavira

    10 Min.

    Kapitel 6

    Geschichte unter Glas

    Der Spaziergang endet unter einem Hotel. Die Pousada Convento Tavira belegt das Kloster Nossa Senhora da Graça, 1569 von König Sebastião auf einem Gelände gegründet, das bis zur Vertreibung von 1497 das jüdische Viertel der Stadt beherbergt hatte. Ab 1837 diente das Kloster über 150 Jahre lang als Kaserne.

    Als das Gebäude als historisches Gasthaus restauriert wurde — eröffnet 2006 —, legten Archäologen darunter ein maurisches Viertel aus dem 12. Jahrhundert frei, mit Artefakten, die bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen. Die almohadischen Häuser liegen heute unter Glas in der Hotelbar — Taviras Schichten, endlich sichtbar gemacht.