Das Erdbeben von 1755 erreichte auch Tavira. Folge den Spuren des Wiederaufbaus von den Arkaden des Rathauses zur Kaserne und zur Kapelle, wo die Stadt wieder Fuß fasste.
Kapitel 1
Wo der Wiederaufbau begann
1755 erschütterte das große Erdbeben von Lissabon die Algarve — und mit ihr Tavira. Das Rathaus, dessen Arkadenfassade aus dem goldenen Zeitalter der Stadt als Hafen im 16. Jahrhundert stammte, wurde ebenso verwüstet wie große Teile der Stadt.
Doch aus der Katastrophe erwuchs Erneuerung. In den 1760er- und 1770er-Jahren diente Tavira als provisorische Hauptstadt der Algarve, und das Rathaus wurde im nüchternen pombalinischen Stil wieder aufgebaut: kräftige Bögen, weiß getünchte Wände, schmiedeeiserne Balkone und ein steinernes Wappen. Hier beginnt die Geschichte des Wiederaufbaus.
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Kapitel 2
Eine Kapelle aus Dankbarkeit
Drei Jahre nach dem Erdbeben, im Jahr 1758, entstand diese kleine Barockkapelle neben den alten Burgmauern, nahe dem mittelalterlichen Stadttor. Eine Laienbruderschaft von Einwohnern legte ihre Mittel zusammen, um den Raum Unserer Lieben Frau der Pietät zu weihen — ein Akt der Dankbarkeit und des erneuerten Glaubens mitten im Wiederaufbau.
Über der Tür zeigt ein gemeißeltes Relief ein flammendes, von einem Dolch durchbohrtes Herz — das Symbol für den Schmerz Mariens. Im Inneren rahmt ein vergoldeter Rokoko-Altaraufsatz ein Gemälde der Jungfrau, die Christus in den Armen hält — ein juwelengleicher Blickpunkt in einem ansonsten schlichten Kirchenschiff.
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Kapitel 3
Das Portal, das überlebte
Das Portal dieses Gebäudes ist weit älter als das Erdbeben. Sein manuelinisches Portal mit seilartig gedrehten Steinprofilen wurde Anfang des 16. Jahrhunderts gemeißelt, als Tavira als Handelshafen der Renaissance blühte. Es überstand 1755 — und als das Haus im 18. und 19. Jahrhundert umgebaut wurde, behielten die Baumeister es bei.
Der Rest der Fassade erzählt die Geschichte der wiederaufgebauten Stadt: klassizistische Fenster, weiß verputzte Wände, ein Terrakottadach. 1857 gründeten örtliche Handwerker hier eine Hilfskasse auf Gegenseitigkeit, den Montepio Artístico Tavirense, dessen Apotheke sich seither um die Menschen von Tavira kümmert.
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Kapitel 4
Eine Kaserne für die Garnisonshauptstadt
Das Erdbeben brachte mehr als nur Gebäude zum Einsturz — es verlagerte den militärischen Schwerpunkt der Algarve nach Tavira. 1795 ließ Königin Maria I. hier, an der Quinta da Atalaia am Rande der Stadt, eine große Kaserne errichten. Der Name bedeutet Wachturm.
Im rationalen pombalinischen Stil entworfen, wahrscheinlich von José de Sande Vasconcelos, vereinte das Quartel massives Mauerwerk, geometrische Planung und wachsame Ecktürme. Taviras Infanterieregiment übte hier, bevor es gegen Napoleons Armeen ins Feld zog, und 1897 kam König Carlos I. persönlich, um seine Soldaten zu ehren.
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Kapitel 5
Farbe nach der Katastrophe
Diese Kapelle ist älter als die Katastrophe. Im späten Mittelalter als Zufluchtsort gegen die Pest gegründet, wurde sie 1745 vom Baumeister Diogo Tavares de Ataíde im Barockstil neu errichtet — zehn Jahre, bevor das Erdbeben zuschlug.
Ihr Glanz aber gehört den Jahren des Wiederaufbaus. 1759 füllte der Maler Diogo de Mangino die Kapelle mit zehn Gemälden aus dem Leben des heiligen Sebastian, gerahmt von illusionistisch gemaltem Marmor und vergoldeten Engeln. Während die Algarve noch am Wiederaufbau arbeitete, füllte Tavira diesen kleinen Raum mit Farbe — ein passender Ort, um den Spaziergang zu beenden.