Eine Apotheke an einer Straßenecke mit einer kleinen manuelinischen Tür in der Fassade. Das ist, was man sieht. Interessant ist der Name: Die Farmácia Montepio Artístico Tavirense ist nach dem gegenseitigen Hilfsverein der Stadt benannt, den sechs oder sieben Handwerker am 20. Dezember 1857 in der Igreja de S. António gründeten, weil sie von unsicheren Löhnen lebten und einander helfen wollten. Den Verein gibt es noch, mit Apotheke, Klinik und zwei Euro Monatsbeitrag. Die Tür ist älter als der Verein, im Stil der Zeit um 1500, aber wann die Apotheke in das Haus einzog, weiß keine Quelle. 1955 war sie hier.
Am 20. Dezember 1857 trafen sich sechs oder sieben Handwerker in der Igreja de S. António: Maurer, Zimmerleute, Steinmetze, Schuhmacher, Schmiede. Die eigene Geschichte des Vereins räumt ein, dass man ihre Namen nicht kennt. Ziel war es, die Kräfte zu bündeln und andere um Hilfe zu bitten, um mit "um precário ordenado", einem unsicheren Lohn, auszukommen. Das war mehr als hundert Jahre, bevor Portugal ein öffentliches Gesundheitswesen bekam. Die ersten 13 Jahre hatte der Verein seinen Sitz im Haus des Vorsitzenden, José Gomes Xavier de Matos.
Der Wanderweg der Gemeinde "Aquém da ponte" schickt einen die Rua da Liberdade hinauf, von der Praça da República zur "Farmácia Montepio, edifício com uma pequena porta manuelina". Mehr sagen die Quellen über die Tür nicht. Manuelinisch ist der Stil aus der Zeit Manuels I., etwa 1495-1521, die Tür ist also ein paar hundert Jahre älter als der Verein. Ob sie für dieses Haus gehauen oder hierher versetzt wurde, dazu gibt es keine Akte; weder SIPA noch DGPC haben das Gebäude erfasst.
Wann die Apotheke an der Ecke eröffnete, ist nicht dokumentiert. Die älteste Spur sind zwei Anzeigen in der Lokalzeitung Povo Algarvio vom 10. und 17. Juli 1955: "Rui Aboim Faria Pereira / Farmácia Montepio Artístico Tavirense / Telefone 183", mit großer Auswahl an portugiesischen und ausländischen Spezialitäten, Parfums, Chemikalien "das mais reputadas marcas" und Gummiwaren zu günstigen Preisen. Eine dreistellige Telefonnummer sagt etwas über die Größe der Stadt. Wer Rui Aboim Faria Pereira war, Eigentümer, Pächter oder Apotheker, weiß niemand.
Der Verein wurde 1982 als IPSS eingetragen, und dann geschah nicht viel; seine eigene Website schreibt, dass er 1982-2005 ein wenig in der Zeit stehen blieb. 2006 kam eine neue Leitung unter Ana Maria Ferro, die Apotheke wurde umgebaut, und in der Casa da Matilde, heute der Sitz des Vereins, gab es fortan ärztliche Sprechstunden. 150 Jahre wurden im Dezember 2007 gefeiert, 160 Jahre 2017. Zuletzt kam eine gastroenterologische Untersuchungseinheit hinzu, die zusammen mit dem öffentlichen Gesundheitswesen Darmspiegelungen durchführt; 2025 war sie Finalistin für den Innovationspreis der Mutualisten.
Die Apotheke liegt an der Ecke Rua da Liberdade und Avenida Dr. Mateus Teixeira de Azevedo, Nr. 1, die Straße hinauf von der Praça da República. Das Gebäude ist die erste Station der Gemeinderoute "Aquém da ponte" (1,8 km); geht man 200 Meter weiter die Avenida entlang bis Nr. 53-55, stehen dort zwei Zwillingshäuser des Architekten Raul Lino.
Gegenseitige Hilfsvereine waren im 19. Jahrhundert die Antwort darauf, dass es keine Krankenversicherung gab. Man zahlte einen kleinen Beitrag und bekam Arzt und Medikamente, wenn man krank wurde. Das ist in Tavira noch immer das Modell: zwei Euro im Monat, und die Mitglieder erhalten "assistência médica e medicamentosa". Der Unterschied ist, dass der Verein heute mit dem öffentlichen Gesundheitswesen zusammenarbeitet, statt es zu ersetzen; die Darmspiegelungen in der neuen Klinik werden gemeinsam mit den Gesundheitszentren im Sotavento gemacht. Ein schönes Schicksal für etwas, das als eine Handvoll Maurer und Schuhmacher in einer Kirche begann.
Nicht viel. Das Haus hat weder bei SIPA noch bei DGPC eine Akte, und keine Quelle nennt den Zeitpunkt, zu dem der Verein oder die Apotheke einzog. Was man vom Gehweg aus sieht, ist eine kleine manuelinische Tür und ein Apothekenschild mit einem Namen, der bis 1857 zurückreicht. Der Sitz liegt anderswo, in der Rua Tenente Couto 4. Der Ort ist einen Halt wert, weil der Name von einer Stadt erzählt, in der die Handwerker ihre Krankenversicherung selbst regeln mussten, nicht weil die Tür die schönste der Stadt wäre. Das ist sie nicht; in den Straßen ringsum gibt es mehrere manuelinische Reste.