



Das Rathaus an der Praça da República sieht alt aus, mit Arkaden im Erdgeschoss und Balkonen darüber. Das ist es nicht. Das alte Haus wurde 1954-55 vollständig abgerissen und als Kopie seiner selbst wieder aufgebaut, und die Arkaden sind aus Beton gegossen. Der Stadtrat sitzt seit 1645 an diesem Platz, die Adresse ist also alt genug; neu ist das Gebäude. In der Mitte der Fassade sitzt ein Stein mit dem alten Wappen der Gemeinde, und an der Südwestecke ein behauener Steinkopf, den die Stadt D. Paio Peres Correia nennt, den Eroberer aus dem 13. Jahrhundert. Der Kopf ist das Einzige, was den Abriss überlebt hat. Es lohnt sich, nah heranzugehen, denn der Rest ist die Vorstellung der 1950er-Jahre davon, wie das Haus aussah.
Tavira erhielt 1266 von Afonso III. sein erstes Foral, und in den ersten Jahrhunderten hatte der Rat kein Haus. Laut dem Archiv der Gemeinde tagte er unter freiem Himmel auf dem Vorplatz der Kirche Santa Maria oben in der Burg. Um die 1520er-Jahre zog er in ein Gebäude am oberen Ende der heutigen Rua da Liberdade, das später das alte Gefängnis der Stadt wurde. Erst 1645 kam der Rat hinunter auf den Platz am Fluss, und dort ist er seitdem geblieben.
Der Rat zog in ein Arkadenhaus zum Platz hin, in dem Erdgeschoss und Beletage zu verschiedenen Zeiten gebaut worden waren und in den Maßen nicht zueinander passten. Unter den Bögen wurde Fisch verkauft, bis 1887 der Mercado da Ribeira eröffnete. 1943 wollte das Café Arcada seine Fassade unter der Arkade umbauen, und der staatliche Architekt der DGEMN nannte das Haus eine "curiosa construção seiscentista" mit mittelalterlicher Arkade, die "deve ser defendido de qualquer alteração". Wie alt die Arkade war, sagt keine Quelle.
Im Dezember 1954 schrieb der Bürger Francisco da Silva an die DGEMN und bat sie, ein Haus zu retten, "muito típico e antigo", das man in Tavira gerade abriss. Die Antwort kam im Januar 1955: Das Haus werde als Rathaus wieder aufgebaut, das Projekt sei nie vorgelegt worden, die Sache werde zu den Akten gelegt. Im Februar bestätigte der Bürgermeister, dass das Rathaus abgerissen werde, um "na traça anterior", nach dem alten Riss, wieder aufgebaut zu werden. So kam es. Arkaden und Balkontüren fluchten jetzt genau so, wie sie es vorher nie taten, und die Bögen sind aus Beton. Die Geschichte der Kopie ist interessanter als die Kopie.
An der Südwestecke sitzt ein behauener Steinkopf, den die Tavirenser D. Paio Peres Correia nennen, der die Stadt 1239 oder 1242 den Mauren abnahm. Keine Quelle datiert den Kopf. Francisco da Silva meinte schon 1954, es könne unmöglich der Eroberer sein; ihn erinnerte er an D. João IV. Aber er ist das Einzige, was aus dem alten Haus mitgekommen ist. Passos schrieb 1995: "sobrou a cabeça do guerreiro". Der Stein in der Mitte der Fassade trägt das alte Wappen der Gemeinde; das heutige, mit der Brücke auf sieben Bögen, wurde 1932 festgelegt.
Das Haus ist ein arbeitendes Rathaus, man kommt also wegen der Fassade. Achten Sie auf den Kopf an der Südwestecke und den Wappenstein in der Mitte. Davor steht das Monumento aos Combatentes da Grande Guerra, eingeweiht 1933. Die Arkaden werden im August für die Feira da Dieta Mediterrânica genutzt, und das Museu Municipal bietet im Rahmen von "Passeios na História" gelegentlich Führungen durch das Innere an.
Der Rat begann oben in der Burg und endete unten am Fluss, und diese Wanderung ist die der Stadt selbst. Der Platz am Gilão war der Marktplatz der Stadt, mit Ständen an jedem Tag und Fischverkauf unter der Arkade bis 1887, und die Macht zog dorthin, wo der Handel war. So wird er noch immer genutzt: Die Feira da Dieta Mediterrânica findet in den Arkaden des Rathauses statt.
Das Gebäude steht nicht für sich selbst unter Denkmalschutz; es liegt teilweise in der Schutzzone der Burgmauern und im kritischen Bereich des historischen Zentrums. Das ergibt Sinn, denn was man sieht, stammt aus den Jahren 1954-55. Die Kopie ist schöner als das Original: Die Achsen fluchten, und es gibt keine zwei Bauphasen mehr zu sehen. Der Preis war, dass man ein Haus verlor, das der staatliche Architekt zwölf Jahre zuvor als erhaltenswert bezeichnet hatte, und heute weiß niemand, wie alt diese Arkade war. Geblieben sind von vorher der Kopf an der Ecke und vielleicht der Wappenstein. Das ist ehrlich gesagt nicht viel, aber es ist eine bessere Geschichte als die vom unveränderlichen Rathaus.
Ziehen Sie die Trennlinie, um den Ort damals und heute zu sehen. Beide Fotos wurden vom selben Standpunkt aufgenommen.

19092013Vorläufiges Paar: Das heutige Foto wurde noch nicht vom Standpunkt der Postkarte aufgenommen.
Damals: 1909 · Postal J. Vianna (Lisboa) «Paços do Concelho de Tavira», c. 1909 · Aveiro e Cultura – Arquivo Digital
Heute: 2013 · John Edwards from Bristol, UK